Geschichte

Weinheimer Corps

Weinheimer Corps in der Schweiz

Während die Kösener Corps anfangs nur an der Zürcher Universität bestanden und auch aus­schliesslich von dort ihre Mit­glieder rekrutierten, entstand am Poly­technikum, der heutigen ETH ein eigener Senioren-Convent (Zürcher SC).

Bereit am 11. November 1855, unmittelbar nach Gründung des Polytechnikums, konstituierte sich das überwiegend aus Schweizern bestehende Corps Rhenania, das gemeinsam mit der Lands­mannschaft Teutonia und dem Universitäts­corps Tigurinia 1862 für einige Monate zu einem gemeinsamen Senioren-Convent zusammen­trat. Im November 1861 gründeten die Rhenanen zusätzlich ein Corps Helvetia, das zur Unter­scheidung von den anderen Korporationen dieses Namens als "schwarze Helvetia" bezeichnet wird. Rhenania und Helvetia bildeten fortan den Zürcher SC am Poly­technikum. Er gehörte 1863 zu den Gründern des Weinheimer Senioren-Convents (WSC).

Viele Mitglieder der Rhenania machten sich später einen Namen als Industrielle, darunter der Bauunternehmer und Aargauer Großrat Rudolf Theodor Bertschinger (1845-1911, Spezialist für Eisenbahn- und Brückenbau) und der Stahlbaufabrikant August Druckenmüller (1840-1896). Zu den Mitgliedern zählten aber auch Politiker wie Filippo Bonzanigo (1839-1904, Präsident des Tessiner Kantonsparlaments) und Antônio Francisco de Paula Souza (1843-1917, Außen- und Verkehrsminister Brasiliens), sowie der Architekt Manfred Semper (1838-1913), der Erbauer der zweiten Semper-Oper in Dresden, der deutsch-amerikanische Architekt Theodor Brune (1854-1932) und der Landschaftsmaler und Direktor der Großherzoglichen Gemäldegalerie in Mannheim Professor Hermann Eichfeld (1845-1917). Bei Helvetia waren der spätere Präsident des Schweizer Nationalrats Rudolf Gallati (1845-1904), der Journalist und Ständerat Hermann Freuler (1841-1903) und Eugen Fahrländer (1844-1917), Oberstkorpskommandant der Schweizer Armee, aktiv.

Im Juni 1862 tat sich am Polytechnikum eine Lands­mannschaft Baltica auf, die gemeinsam mit Teutonia und der Verbindung Alpigenia in Konkurrenz zum SC einen Abgeordneten-Convent (AC) bildete. Verfolgungen der schlagenden Korporationen durch die staatlichen Behörden und ein Konflikt mit dem Direktor des Poly­technikums veranlassten im Juli 1864 einen Auszug der Studenten­schaft nach Rapperswyl. Die Folge waren massen­hafte Ausweisungen aus Zürich und die scharfe Beobachtung und Unter­drückung der schlagenden Korporationen am Polytechnikum. Rhenania und die schwarze Helvetia suspendierten im März 1865, Teutonia am 31. Juli 1865, Baltica etwas früher. Damit war die Ära der Selb­ständigkeit von technischen Corps in Zürich beendet. Studierende des Polytechnikums bzw. der Eidgenössischen Technischen Hochschule wurden seither bei den Corps des Kösener SC-Verbandes, namentlich Tigurinia aktiv.

Rhenania wurde 1871 in Aachen wieder aufgetan und bestand dort bis 1880. 1892 wechselte sie nach Braun­schweig, wo sie heute noch besteht. Die Lands­mannschaft Baltica ging in der Baltica Karlsruhe auf, die sich später in ein Corps umwandelte und nach Danzig verlegte. Ihr Nachfolger ist das heutige Corps Baltica-Borussia Danzig zu Bielefeld. Teutonia wechselte nach Karlsruhe, nannte sich dort Frisia und lebt im heutigen Corps Friso-Cheruskia Karlsruhe fort.